Die Begründerin

Das Affolter-Modell® wurde von Frau Dr. Felicie Affolter begründet und mit Dr.Walter Bischofberger sowie zahlreichen Mitarbeitern seit 40 Jahren in der Praxis sukzessiv weiterentwickelt. Zu Beginn standen wahrnehmungs-und sprachgestörte Kinder im Mittelpunkt (St.Gallen: Kantonsspital, Zentrum für Wahrnehmungsstörungen, Schule für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen), später kam die Behandlung Erwachsener mit erworbenen Hirnschädigungen hinzu (Klinik Valens, Therapiezentrum Burgau).
Hand in Hand mit der therapeutischen Praxis wurde das Modell zunächst ausgehend von der Entwicklungspsychologie Jean Piagets durch eigene empirische Forschungsarbeiten in den USA, der Schweiz und Deutschland und zahlreiche Fachveröffentlichungen (siehe Literatur..) weiterentwickelt und vertieft.

Alltag

Der Alltag mit seinen ständig wechselnden Situationen und Geschehnissen erfordert von uns ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Organisation. Alltag erfordert problemlösendes Handeln, darin eingeschlossen Wahrnehmung. Dabei müssen wir uns ständig mit der Frage auseinandersetzen: Wo befinde ich mich und Was geschieht?


Hirnschädigung

In der neurologischen Frührehabilitation haben wir es mit Menschen zu tun, die eine Hirnschädigung erlitten haben. Dr. Affolter geht davon aus, dass nach einer Hirnschädigung die Organisation des Gehirns gestört ist. Das hat zur Folge, dass die Betroffenen Informationen aus ihrer Umwelt nur unzureichend suchen, aufnehmen und verarbeiten können. Sekundär zeigen sie symptomatische Störungen und versagen dadurch insgesamt in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL).
Sie nimmt aufgrund entwicklungspsychologischer (Jean Piaget) und eigener Forschung (s. Literatur) an, dass sich diese Organisation in der kindlichen Entwicklung über die gespürte Interaktion in problemlösenden Alltagsgeschehnissen bildet, von einfachen zu komplexen Leistungen. Bei einer Hirnschädigung zerfallen Leistungen in umgekehrter Reihenfolge ihrer Entwicklung.

Gespürte Interaktionstherapie

Über das Führen in Alltagsgeschehnissen wird versucht, den Betroffenen wieder gespürte Information zur Position und zum Geschehen zu vermitteln. In diesen Interaktionen zwischen Person und Umwelt ist es für die Betroffenen wichtig zu erspüren „Was“ sich in welcher Weise durch ihr Tun verändert hat (Ursache/Wirkung). Dabei müssen sie - wie auch die gesunde Person -jeden Moment wahrnehmen und wissen, "Wo" sie sich (ihr Körper) in Bezug zur Unterlage und ggf. zu einer stabilen Seite befinden. (Position).


Rehabilitation im Klinikalltag

Das Arbeiten im Alltag bedingt Problemlösen, besonders in der Rehabilitation. Der Betroffene muss auf Informationssuche gehen (Wahrnehmung) und ständig aufs Neue entscheiden, was als nächstes geschehen soll (Hypothesenbildung), welche Information im Augenblick wichtig oder unwichtig ist (Hypothesen verwerfen, umstellen, entscheiden), ob und welche Reihenfolgen von Handlungsschritten oder Teilgeschehnissen er durchführen muss (Planen), um zum Ziel (Geschehnisstruktur) zu kommen und entscheiden zu können, ob die Zwischenziele und das große Ziel erreicht wurde (Evaluation).
Bei der Gestaltung der Umwelt und Vorbereitung der Alltagsgeschehnisses in der therapeutischen Arbeit werden die individuellen kognitiven und motorischen Fähigkeiten der Betroffenen (erwachsene Patienten, Kinder) berücksichtigt.
Wir arbeiten dabei auf der Verständnisstufe, d.h. dass die geführte Person auf das Geschehen aufmerksam ausgerichtet ist, aber nicht selbst ausführen muss.
Wir erwarten, dass die Betroffenen über das Führen im Alltag wieder lernen Probleme zu lösen und dass sie dabei Fortschritte machen vom Verständnis zu selbständigen Ausführungen. Grundlage dafür ist die Re-Organisation der Netzwerke und Prozesse im Gehirn (Plastizität), wobei den Betroffenen in der gespürten Interaktionstherapie über die aktuelle Wahrnehmung wieder Zugang zu gespeicherter Erfahrung und Zugriff auf komplexere Leistungen ermöglicht werden kann.



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